Spotlight Neurodiversität: Gleiche Chancen im Recruiting schaffen

Blaugrüne Kreisgrafik erecruiter, Bewerbermanagement
25. September 2025
Lesezeit 0 Minuten

Social Media, nicht zuletzt TikTok, hat in jüngster Zeit vor allem auf ein Thema der Neurodiversität aufmerksam gemacht: ADHS. Was viele nicht wissen: Das Spektrum der Neurodiversität ist weitaus umfangreicher. Es umfasst unterschiedliche neurologische Funktionsweisen, die alle ihre eigenen Stärken, Herausforderungen und Besonderheiten mit sich bringen.

Inhalt

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Dieses Spektrum ist so vielfältig, dass kein Blogpost dieser Welt jeden Aspekt im Detail abbilden kann. Was wir aber tun können, ist Bewusstsein zu schaffen, Vielfalt zu erkennen, Sensibilisierung zu fördern und damit einen Schritt in Richtung echter Inklusion zu gehen. 

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Was bedeutet Neurodiversität genau?

Neurodiversität bedeutet, dass es keine „Einheitsnorm“ für das menschliche Gehirn gibt. Menschen nehmen Reize unterschiedlich wahr, verarbeiten Informationen auf unterschiedliche Art und reagieren in sozialen oder beruflichen Kontexten nicht immer so, wie es die Mehrheit gewohnt ist. 

Zum Spektrum gehören das Autismus-Spektrum, ADHS, Dyslexie, Dyskalkulie, Dyspraxie, Tourette-Syndrom und weitere neurologische Besonderheiten. Manche Menschen haben ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis für Details, andere denken besonders kreativ oder sind exzellente Problemlöser:innen. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass keine Diagnose allein einen Menschen definiert. Zwei Personen mit derselben Diagnose können völlig unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse haben. Diese Vielfalt eröffnet Unternehmen große Chancen, wenn sie bereit sind, diese Potenziale zu erkennen. 

3D-Darstellung eines menschlichen Kopfes mit hervorgehobenem Gehirn, die Neurodiversität veranschaulicht. - eRecruiter
Neurodiversität: Menschen denken und verarbeiten Reize unterschiedlich – das ist Stärke, keine Abweichung.

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Warum sind so viele neurodiverse Menschen ohne Job? 

Die hohe Arbeitslosigkeit unter neurodiversen Menschen hängt oft weniger mit ihrer Qualifikation zusammen als mit der Passung zu bestehenden Strukturen. Viele Bewerbungsprozesse sind auf eine Art von Selbstpräsentation ausgelegt, die nicht allen liegt. 

Alarmierende Zahlen zeigt Prof. Dr. Isabel Dziobek von der Humboldt-Universität zu Berlin in der aktuellen Wissensdokumentation auf YouTube „Sie Frage“: Laut ihr sind bis zu 60 Prozent der autistischen Menschen ohne Beschäftigung. Nicht, weil sie nicht fähig wären, sondern weil viele Strukturen in Recruiting, Onboarding und Arbeitsalltag nicht auf ihre Vielfalt ausgerichtet sind.  

Eine Bewerberin mit Autismus, die Blickkontakt vermeidet oder lieber schriftlich kommuniziert, kann fachlich perfekt geeignet sein, wird im klassischen Vorstellungsgespräch aber oft unterschätzt. Das Gleiche gilt für Menschen mit ADHS, die in einem unstrukturierten Interview möglicherweise sprunghaft wirken, obwohl sie in ihrem Fachgebiet hochfokussiert arbeiten. 

Frustrierte, arbeitslose Frau tippt am Laptop, Hände an den Schläfen. - eRecruiter
Wenn Prozesse überfordern, bleiben Talente unsichtbar – nicht die Person ist das Problem, sondern die Struktur.
TIPP

Teilen Sie Ablauf, Dauer und Beispielfragen bereits vor dem Bewerbungsgespräch. Bieten Sie Alternativen wie schriftliche Antworten, einen ruhigen Raum und Pausen an.

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Welche Hürden gibt es im klassischen Recruiting-Prozess?

Barrieren beginnen häufig schon in der Stellenausschreibung: Unklare Formulierungen, zu viele irrelevante Anforderungen oder eine komplizierte Sprache können abschreckend wirken.  

Im Gespräch selbst empfinden manche neurodiverse Bewerbende den Ablauf wie ein Verhör, auch wenn das gar nicht beabsichtigt ist. Standardisierte Fragen zu sozialen Situationen oder spontaner Smalltalk sind nicht für jede Person der richtige Rahmen, um Kompetenz zu zeigen. 

Weitere Hürden: 

  • Mangelnde Transparenz über den Bewerbungsprozess 
  • Überbetonung von Soft Skills wie Kommunikationsstärke 
  • Testverfahren, die ausschließlich auf Geschwindigkeit setzen 
  • Reizüberflutung durch Assessment Center
TIPP

Formulieren Sie die Stellenanzeige klar und fokussiert: maximal fünf Musskriterien, Nice to haves separat. Schreiben Sie in kurzen Sätzen, erklären Sie Fachbegriffe und nennen Sie eine konkrete Kontaktperson.

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Wie können Stellenausschreibungen barriereärmer gestaltet werden?

Do: 

  • Klare einfache Sprache (Verben, kurze Sätze, Beispiele) 
  • Wichtige fachliche Anforderungen zuerst, Nice-to-have als eigene Liste 
  • Fachbegriffe aufs Nötigste reduzieren oder erklären 
  • Transparente Prozesse: Schritte, Dauer, Formate, Kontaktperson 
  • Hinweis, dass bevorzugte Kommunikationsform genannt werden kann 

Don’t: 

  • Floskeln wie „Belastbarkeit“ ohne Kontext 
  • Unnötige Ausschlusskriterien 
  • Insider-Fachjargon ohne Erklärung 

Beispieltext: 
„Sie analysieren Kundenfeedback in unserem BI-Tool und erstellen jeden Montag einen kompakten Report für das Produktteam. Für die Aufgabe sind SQL-Grundlagen erforderlich. Erfahrung mit Looker ist hilfreich, aber nicht zwingend.“ 

Abstraktes Bild von blauen und grünen Plasmaströmen, die von einer zentralen Kugel ausgehen und einem stilisierten neuronalen Netzwerk ähneln (als Symbol für Neurodiversität). - eRecruiter
Klare Sprache und transparente Schritte: Auf diese Weise finden Stellenausschreibungen mehr passende Kandidat:innen.

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Welche alternativen Bewerbungswege machen Potenziale sichtbar?

Nicht jede Person kann sich in einem klassischen Vorstellungsgespräch bestmöglich präsentieren. Alternative Formate wie schriftliche Antworten, praxisnahe Aufgaben oder Probearbeiten geben Raum, fachliche Stärken zu demonstrieren. 

Standardisierte Interviews mit klaren, fachbezogenen Fragen helfen, alle Bewerbenden nach denselben Kriterien zu beurteilen. So rückt die Kompetenz in den Mittelpunkt und nicht die Fähigkeit zur Selbstvermarktung. 

So setzen Sie es um: 

  1. Drei Kernkompetenzen definieren, pro Kompetenz zwei Fragen 
  2. Scoring-Rubrik nutzen, keine freie Bewertung 
  3. Ergebnisse fair vergleichen 

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Wie können Onboarding und Einarbeitung inklusiver werden?

Der erste Arbeitstag ist entscheidend für das Ankommen. Neurodiverse Mitarbeitende profitieren von klaren Strukturen, der eindeutigen Kommunikation von Erwartungen und einem transparenten Plan, der Orientierung gibt. 

Hilfreich sind zum Beispiel: 

  • Schriftliche Zusammenfassungen von Meetings 
  • Übersicht der Tools, Zugänge und Ansprechpartner  
  • Checklisten für Abläufe und Prozesse 
  • Genügend Zeit, um Strukturen zu verstehen 
  • Flexibilität, um individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen 
  • Feedbacktermine (z.B. in Woche 1, 3 und 6) 

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Was brauchen neurodiverse Mitarbeitende im Arbeitsalltag?

Ein inklusiver Arbeitsplatz berücksichtigt unterschiedliche Reizempfindlichkeiten und eine entsprechende Work-Life-Balance. Ruheräume oder Rückzugsorte, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, können hierbei entscheidend sein. 

Mindestens genauso wichtig ist eine Unternehmenskultur, in der Offenheit herrscht. Wenn Mitarbeitende ihre Bedürfnisse ansprechen können, ohne Vorurteile oder Nachteile befürchten zu müssen, entsteht ein Umfeld, in dem Vielfalt gelebt wird und nicht nur auf dem Papier existiert. 

Fazit

Neurodiversität betrifft einen großen Teil unserer Gesellschaft und bietet enorme Chancen für Unternehmen. Wer Vielfalt erkennt, Anforderungen klärt, Bewertung standardisiert und Sensibilität fördert, gestaltet nicht nur fairere Prozesse, sondern schafft ein Arbeitsumfeld, in dem alle ihre Stärken einbringen können.

Lesetipps

Sie möchten Neurodiversität im Recruiting gezielt stärken? Weiterführende Beiträge vertiefen Stellenanzeigen, Interviews und strukturiere Bewerbungsgespräche sowie Onboarding. Sie sind kompakt, praxisnah und mit Beispielen aus der HR-Praxis. So finden Sie schnell umsetzbare Anregungen für den nächsten Schritt.

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